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Kreisgruppe MAYEN-KOBLENZ

Artensterben

Es summt und zwitschert immer leiser

Bombus terrestris, Erdhummel, am 17.9.2017 im Maifeld, Schutzstatus: BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt! Foto: G. Grosvenor

10.3.2018   
Insekten spielen für das Gleichgewicht der Natur eine immense Rolle und genau das ist jetzt in großer Gefahr. Unsere hilfreichen, summenden und brummenden Mitgeschöpfe sorgen für den Fortbestand unserer Pflanzen- und Früchtevielfalt in der Region Mayen-Koblenz. Von den 600 weltweit vorkommenden Wildbienenarten ist ein drittel bereits verschwunden. Allein in Deutschland sind aktuell 197 Wildbienenarten gefährdet und 31 Arten sogar vom Aus­sterben bedroht. Eine am 28.2.2018 auf tagesschau.de veröffentlichte EU Studie (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA) bestätigt den Zusammenhang den unsere heimischen Imker schon lange beobachtet haben. Kommt eine Biene in Kontakt mit der gebeizten Oberfläche von Saatgut, was man auf dem Maifeld auch auf Wegen herum liegen sehen kann, so kann sie die Orientierung verlieren und im schlimsten Fall den Weg in ihren Bienenstock nicht mehr finden. Die Beize kann Insektizide enthalten, die zur Gruppe der Neonicotinoide gehören, und diese töten auch Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.

Zu welchen Konsequenzen das Artensterben führen kann, merkt man auf recht verstörende Weise daran, dass die Firma Walmart in den USA bereits ein Patent für Roboterbienen, die als selbstständig fliegende Mikrodrohnen zukünftig Pflanzen bestäuben sollen, angemeldet hat. Jeder von uns muss sich ernsthaft fragen wie es wohl ist in solch einer Zukunftswelt leben zu müssen. Dass die Insekten immer weniger werden zeigt sich auf makabere Weise auch daran, dass bei abendlichen Sommerfahrten mit dem Auto die Scheiben sauberer bleiben. Was einen unkritischen Geist vielleicht noch wenig beeindruckt, merkt man im nächsten Schritt dann im Rückgang der Artenvielfalt der Vogelwelt, denn die Vogeleltern finden immer weniger Nahrung für ihre Nachkommen. Der Vogelschwund vollzieht sich rasant. Sieh selbst, was das in Zahlen und einem Schaubild bedeutet....

Das große Insektensterben - Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen!

30.7.2019
Das folgende Video zeigt einen wirklich sehenswerten Vortrag des angesehenen Entomologen Dr. Andreas Segerer in der Kreisverwaltung Koblenz am 6.6.2019. Er beleuchtet aktuelle Forschungsergebnisse zu Ausmaß und Ursachen des Arten- und  Lebensraumsterbens. Andreas Segerer zeigt die planetaren Belastungsgrenzen und die Gründe der globalen Biodiversitätsverluste auf. Er veranschaulicht welche Biotoptypen in besonderem Maße bedroht sind und benennt die Hauptverursacher unseres rapiden Artenrückgangs in Flora und Fauna.

Bundesweites Artensterben

10.3.2018  
Der Hauptgrund für das Artensterben ist der unachtsame menschliche Umgang mit den Naturlebensräumen. Der Mensch hängt wie hypnotisiert in seinen Gedankenkonstrukten und der Legitimisierung seiner gewohnten Lebensweisen fest und sägt damit unbeirrt und beharrlich den Ast ab auf dem er sitzt. Nur einige der Probleme die er damit erschafft seien hier genannt: Der massive Insektizid- und Herbizid-Einsatz, die Überdüngung der Kulturlandschaft, immer mehr Monokulturflächen sowie die Bebauung & Versiegelung wichtiger Lebensräume, die als Rückzugsorte dienen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze schreibt am 26.3.2018:  "Eine wesentliche Ursache (...des Artensterbens) ist der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Deshalb wollen wir unter anderem den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft in dieser Legislaturperiode beenden und grundsätzlich zu einem restriktiveren Umgang mit Pestiziden kommen." 

Auch die Bedeutung der Artenvielfalt wird meistens unterschätzt. Allein die Bienen sind für 80% der Bestäubungsleistung unserer Kultur- & Wildpflanzen verantwortlich. Der wirtschaftliche Wert dieser Bestäubungsleistung wird in Europa auf 65 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Wenn wir nicht noch mehr Arten verlieren wollen, dann müssen wir so viele naturbelassene Lebensräume wie möglich als Rückzugsorte für gefährdeter Arten erhalten.

Fehlgesteuerte Agrarpolitik von Deutschland beeinflusst

27.1.2019
Die Landwirtschaft macht den höchsten Flächenanteil in Europa aus und hat damit den größten Einfluss auf alle Lebensräume von Menschen, Tieren und Pflanzen. Der größte Ausgabeposten des gesamten EU-Haushalts, in Höhe von knapp 40 %, wird für Agrarpolitik und Förderung des ländlichen Raums ausgegeben. Jeder EU-Bürger zahlt durchschnittlich rund 113 € pro Jahr alleine für diesen Bereich. Die Zahlungen der Agrarsubventionen entscheiden über Leben und Sterben in der deutschen Agrarlandschaft und steuern die Art zu wirtschaften ganz entscheidend. Seit Jahren wird die Verteilung der EU-Agrarpolitik in höchstem Maße kritisiert, weil sie Großinvestoren und Mega-Betriebe bevorteilt und dagegen kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe benachteiligt. Die große Ungerechtigkeit verdeutlichen die folgenden Zahlen bei der Verteilung der Subventionen auf die in Deutschland ansässigen 250.000 Landwirtschaftlichen Betriebe:  

1,2 % der landwirtschaftlichen Betriebe erhält 1 Milliarde €. Dieses Geld geht an nur 3.000 Großbetriebe und fördert damit mit durchschnittlich 34.000 € pro Betrieb die großindustrielle Art mit Pestiziden und anderen chemischen Substanzen zu wirtschaften. Dagegen müssen 200.000 kleine und mittlere Betriebe, zu denen hauptsächlich regional arbeitenden Landwirte gehören, mit nur 700 Millionen Förderung auskommen. Das sind im Schnitt nur 3.500 € pro Betrieb. Die grundlegend fehlgesteuerte Agrarpolitik wird entscheidend vom EU-Mitglied Deutschland beeinflusst. Die Folgen sind nicht nur überdeutlich im Artensterben zu sehen, sondern zeigen sich auch drastisch im sogenannten Höfesterben unter dem hauptsächlich kleine und mittlere Betriebe leiden.    

Eine von Germanwatch erstellte Studie "Vorschläge für eine Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik", auf den Weg gebracht von dem EU-Abgeordneten Martin Häusling, fragt: "Wie kann es sein, dass so viel staatliches Geld in einen Sektor fließt und gleichzeitig Bauernhöfe reihenweise aufgeben, Großinvestoren Landraub betreiben, sowie Pestizide, wie Glyphosat und Antibiotikamissbrauch im Stall unsere Gesundheit und die Umwelt massiv belasten?

Ulrich Mohr, Pressesprecher des BUND-Südpfalz sagt: "Diese seit Jahren aufrecht erhaltene Asymmetrie in der deutschen und europäischen Agrarpolitik ist rational nicht mehr erklärbar; sie ist keineswegs leistungsgerecht, sie ist unsozial, sie dient nicht dem Gemeinwohl. 80 % der deutschen Bevölkerung wollen, dass unsere Landwirtschaft für Leistungen gefördert und belohnt wird, die sie für Naturschutz, Gewässerschutz, Bodenschutz und Klimaschutz erbringt. Sie leistet damit auch umfassenden Menschenschutz."

Solche Leistungen können in der Regel am ehesten von bäuerlich geprägten kleinen und mittelständischen Betrieben erbracht werden. Ausgerechnet diese kleineren Betriebe durch die ungleiche Verteilung von Subventionen zu benachteiligen ist die fatale Ungerechtigkeit, die von den Lobbyisten der Großkonzerne durchgesetzt wurde. Denn am meisten Geld erhält, wer am meisten Land hat. Richtig wäre es dagegen diejenigen zu fördern, die ökologisch, biologisch und nachhaltig arbeiten und dabei umsichtig mit Boden, Wasser, Artenvielfalt und Klima umgehen, damit wichtige Ressourcen auch für unsere Enkelkinder bewahrt werden.

Vogelpopulationen Europaweit im Rückgang

1.3.2018   
Mit den Insekten verschwinden auch unsere Vögel aus unseren Lebensräumen. In einer gesunden Umwelt sorgen die Vögel für ein Gleichgewicht nützlicher Insekten. Deutschland hat laut NABU innerhalb von 12 Jahren über 12 Millionen Vogelbrutpaare verloren. Wie dramatisch der Vogelrückgang Europaweit ist geht auch aus den Antworten der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor. Dort beziffert man den Verlust von 300 Milionen Brutpaaren in der Agrarlandschaft zwischen 1980 und 2010.

Thomas Holzmann, amtierender Präsident des Umweltbundesamtes: "Wir brauchen einen Mindestanteil von Flächen, auf denen nicht gespritzt wird. Auf solchen Blühstreifen und Brachen fänden Feldvögel, Schmetterlinge, und Bienen dann genügend Nahrung." 

Ist der Garten noch so klein lade viele Arten ein!

Aglais io, Tagpfauenauge, am 4.6.2017 im Maifeld, Foto: G. Grosvenor

1.3.2018
Was kann jeder Einzelne von uns gegen das Artensterben tun?
Selbst wenn wir nur einen 1 qm kleinen Balkon haben, können wir einen Beitrag zum Artenschutz leisten und wichtigen Arten ein Zuhause bieten.

  • Pflanze möglichst viele verschiedene Wild- und Blütenpflanzen. Wichtig ist es den Insekten möglichst ganzjährig Blütennektar und Pollen zu bieten.
  • Verwende auf gar keinen Fall Insektizide oder Herbizide. Diese Gifte bleiben oft über Jahre im Boden und richten mehr Schaden an als wir auf den ersten Blick erahnen können.
  • Lasse auch verwilderte Bereiche mit Holz- und Schnittresten bestehen. Sie bieten Unterschlupf und Nahrung.
  • Lege einen Gartenteich oder eine Wasserstelle an. Wasserstellen ziehen Insekten und Vögel wie magisch an.
  • Installiere ein Wildbienenhotel

In unseren Gartentipps geben wir am ersten eines jeden Monats interessante Tipps für naturnahes Gärtnern für mehr Artenvielfalt und mehr Freude an Natur und Umwelt.

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