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Kreisgruppe MAYEN-KOBLENZ

Artenschutz

Artenschutz in Sevenich bei Münstermaifeld

27.4.2019
Der Staatssekretär, Dr. Thomas Griese, der Präsident der Oberen Naturschutzbehörde Dr. Ulrich Kleemann, die Landesvorsitzende des BUND Sabine Yacoub und die Kreisgruppenvorsitzende des BUND Annette Lehnik-Emden besuchten das artenreiche Wallerbachtal in Sevenich mit seinen Feuchtwiesen & Quellen. Die Rhein-Zeitung berichtet unter https://www.rhein-zeitung.de/

100 geschützte Arten in Sevenich bei Münstermaifeld nachgewiesen

Vom Aussterben bedroht !!!: Iphiclides podalirius, der Segelfalter am 9.7.2017 in Sevenich. Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 1 (RLP) / 3(BRD), Foto: Gavin Grosvenor

5.6.2019  
Der BUND konnte in Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern und mit Hilfe von Biologen, Ornithologen und anderen Experten auf einer einzigen Feuchtwiese in Sevenich bei Münstermaifeld 100 geschützte Arten nachweisen. Einige davon sind sogar vom Aussterben bedroht. Es sind seltene Amphibien, Schlangen, Käfer, Spinnen, Libellen, Schnecken, Pflanzen, Säugetiere, Schmetterlinge, Falter und Vögel nachgewiesen worden. Es handelt sich ausschließlich um Spezies, deren Schutzstatus entweder auf der Roten Liste, der FFH-Liste (Fauna Flora Habitatrichtline) oder im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist. Der BUND dokumentierte über einen Zeitraum von mehr als 3 Jahren die dort lebende Fauna und Flora. Für diese Arbeit wurden über 2500 Einzelfotos aus Sevenich ausgewertet. Neben den Nahaufnahmen, die die Arten in einer eigens dafür erstellten Liste zeigen, existieren viele weitere ergänzende Fotos die die einzelnen Lebewesen, auf, direkt neben, oder über der Feuchtwiese zeigen und damit beweisen, wie bedeutend die Sevenicher Wiesen für den Artenschutz im Maifeld sind. Das Besondere an diesem Standort ist seine abwechslungsreiche Struktur mit sehr vielfältigen Habitaten, die einer hohen Anzahl von Arten in gegenseitigem Nutzen Nahrung und Schutz gewähren. Die Feuchtwiese liegt als mittlere von drei Feuchtwiesen mit jeweiligen Sumpf- und Flachwasserzonen in dem historischen Weiler Sevenich. Diese Feuchtwiesensenke durchzieht Sevenich von Norden nach Süden entlang des Wallerbaches und dient bei starken Regenfällen als wichtige Überschwemmungszone. Standortbeschreibung siehe Quell & Biotop Schutz. 

Geschützte Arten auf den Sevenicher Feuchtwiesen: Libellula quadrimaculata, Vierflecklibelle, am 17.6.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 4 (RLP), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt! Perdix perdix, Rebhuhn, 17.7.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 2 (RLP) / 2 (BRD): stark gefährdet (RLP), stark gefährdet (BRD) BNatSchG §7EG-VO 338/97: Hohe Verantwortung, besonders geschützt! Oxythyrea funesta, Trauer-Rosenkäfer, 8.6.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 2 (BRD): stark gefährdet! Fotos: Gavin Grosvenor
Geschützte Arten auf den Sevenicher Feuchtwiesen: Papilio machaon, Schwalbenschwanz, am 3.7.2018, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten V (RLP), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt! Zygaena trifolii, Sumpfhornklee Widderchen am 15.6.2018, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 3 (RLP) (BRD), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt! Cupido argiades, Kurzschwänziger Bläuling 15.6.2018 Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 2 (RLP) 3 (BRD), BNatSchG §7EG-VO 338/97: stark gefährdet! Fotos: Gavin Grosvenor
Geschützte Arten auf den Sevenicher Feuchtwiesen: Rana temporaria, Grasfrosch, 17.8.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten V (RLP), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt, FFH Richtlinie Anh. V; Natrix natrix, Ringelnatter, 19.6.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 3 (RLP) V (BRD); Bufo Bufo, Erdkröte, 29.8.2017, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten V (RLP), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt, Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden! Fotos: Gavin Grosvenor

Das Besondere am Sevenicher Wallerbachtal

Das Besondere an Sevenich ist seine abwechslungsreiche Struktur mit sehr vielfältigen Habitaten, die einer hohen Anzahl von Arten in gegenseitigem Nutzen Lebensraum, Nahrung und Schutz gewähren. Die Feuchtwiesensenke durchzieht Sevenich von Norden nach Süden entlang des Wallerbaches. Der wertvolle biologische Habitat-Charakter wird durch seine Tieflage im topographischen Zusammenhang klar. Die oberste Feuchtwiese mit Sumpf- und Flachwasserzone befindet sich nördlich oberhalb von Sevenich neben der Kreisstrasse K35 und wird vermutlich aus einer unterirdischen Quelle gespeist. Die mittlere Feuchtwiese liegt in der Tiefebene neben der Ortsmitte am Wallerbach. Sie dient bei starken Regenfällen als wichtige Überschwemmungszone und zugleich als Wasserrückhaltezone. Hier finden sich besonders viele geschützte Arten. Die dritte Feuchtwiese liegt im Süden von Sevenich. Auf ihr befinden sich die Ottilienquellen mit mindestens drei Quellaustritten. Diese Quellen sind ein nach §30 Bundesnaturschutzgesetz geschütztes Biotop. Der Wallerbach fließt durch das Landschaftsschutzgebiet in dem sich Sevenich befindet, führt danach durch ein Vogelschutzgebiet und mündet im Anschluss in den Elzbach, der im gleichnamigen FFH-Schutzgebiet Elztal liegt. Das Sevenicher Tal ist eine wertvolle ‚Grüne Naturzone‘ für Fauna und Flora und dient als Verbindungskorridor für viele seltene Arten. Als Teil eines Landschaftsschutzgebietes sollten hier generell alle Handlungen, die den „Charakter“ des Gebiets verändern verboten sein. Die Natur in diesem Tal steht derzeit vielen Bedrohungen gegenüber. Diese entstehen durch die Ausweitung der intensiven Landwirtschaft mit ihren flächendeckenden Pestizid- und Herbizid Einsätzen, durch Motocross und Quad Tourismus, zunehmende Flächenversiegelung und Wünschen nach Bebauung des verbliebenen Grünlandes. 

Ein Schwerpunkt sollte dem äußerst wichtigen Aspekt des Biotopverbundes, so wie es das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung & Forsten (MUEEF) fordert, zukommen. Das Bundesnaturschutzgesetz gibt vor, auf mindestens 10 Prozent der Fläche eines jeden Landes ein Netz verbundener Biotope zu schaffen. Die vom MUEEF geforderte Erhaltung der Artenvielfalt und die Vernetzung mit anderen Gebieten wäre für Sevenich sehr wünschenswert. Der Wallerbach geht ca. 300 m unterhalb Sevenichs in ein Vogelschutzgebiet und im Anschluss daran in das FFH-Schutzgebiet Elztal über. Es wäre nun folgerichtig auch die Bäche oberhalb Sevenichs zu renaturieren und die landwirtschaftlichen Mindestabstände zum Schutz der Bäche ein zu halten. Leider erlaubt die abweichende Gesetzgebung von RLP den Landwirten immer noch bis an die Bachkante zu bewirtschaften. Dadurch kommt es zu starken Einträgen von Gülle, anorganischen Düngern und Pestiziden. Unterhalb eines Hühnermastbetrieb werden nach unseren Messungen aus dem Jahr 2018 toxische Substanzen über ein Drainagerohr in den Pilligerbach geleitet. Wir sehen das Untersuchungsgebiet exemplarisch für den verbesserungsfähigen Zustand von vielen Gewässern in Deutschland und Rheinland-Pfalz. Wir möchten auf die weiträumigen Vollzugsdefizite aufmerksam machen, für die von Seiten der Bundesregierung deutlich mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden müssten.

Fließende Gewässer sind die Lebensadern unserer Natur. Sie bilden individuell geprägte Kleinlebensräume, sie schaffen Artenkorridore und sie vernetzen Lebensräume und Landschaften miteinander. Diese Funktion können sie aber nur erfüllen, wenn sie über ausreichend breite naturbelassene Randstreifen verfügen. Sauberes Wasser ist für alle Lebewesen essentiell und eines unserer kostbarsten Ressourcen. Die biotoptypischen Lebensgemeinschaften aus Tier- und Pflanzenwelt sind in erster Linie abhängig von der Wasserqualität. Dazu kommt die wichtige Rolle des Struktur- und Substratreichtums der Gewässer, die das Vorhandensein typischer Ufervegetationen auf extensiven oder ungenutzten Uferstreifen und Bachauenbereichen ermöglichen. Des Weiteren spielt auch die Fließgeschwindigkeit eine Rolle, die besonders durch Mäander, Bodenmulden, Kiesbänke und Steine beeinflusst wird. Die klimatischen Bedingungen werden durch die Vegetation am Ufer, im Gewässer und durch seine gesamte Strukturierung stark beeinflusst. Abschnittsweise wechseln so die Licht- und Temperaturverhältnisse in Fließgewässern und einzelne Lebensgemeinschaften bekommen individuelle Vorteile. Durch die Verbesserung unserer Bäche & Quellen sehen wir deutliche Chancen für die Rettung der Artenvielfalt in Deutschland.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) weist auf die Wichtigkeit der in der Naturlandschaft und der traditionellen Kulturlandschaft vorkommenden Biotoptypen, in einer charakteristischen räumlichen Verzahnung und funktionellen Abhängigkeit voneinander, hin. Es fordert die nachhaltige Sicherung heimischer Arten und Artengemeinschaften und ihrer Lebensräume. Sowie die Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen in der Landschaft. https://www.bfn.de/ „Dabei stehen die ökologischen und räumlich-funktionalen Ansprüche der heimischen Arten an ihren Lebensraum im Vordergrund. Verbundsysteme sollen in diesem Zusammenhang den genetischen Austausch zwischen Populationen, Tierwanderungen sowie natürliche Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse gewährleisten. Biotopverbund bedeutet jedoch auch die Gewährleistung ökologischer Wechselbeziehungen zwischen unterschiedlichen Biotoptypen, z. B. für Arten mit im Lebenszyklus wechselnden Habitat Ansprüchen oder solchen, die Lebensraumkomplexe besiedeln.“ Seit 2002 ist der Biotopverbund im Bundesnaturschutzgesetz verankert. In der Novelle vom Juli 2009 findet sich die Regelung in den wichtigen §§ 20, 21 (BNatSchG). Danach soll ein Biotopverbundsystem zur Verbesserung des Zusammenhangs des Europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000 beitragen. Das Konzept des Biotopverbundes wird durch die wichtige Wasserrahmenrichtlinie der EU gestützt, bei der es um die Verbesserung des Zustandes der Gewässer im Zusammenhang mit den abhängigen Landökosystemen und deren Vernetzung geht. Nach den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie hätten bis zum Jahr 2015 bereits 100% aller Flüsse mindestens in einem "guten ökologischen Zustand" sein sollen. Nach EU Kriterien sind davon aber nur 6,6% in einem guten Zustand und 0,1% in einem sehr guten Zustand. In den übrigen 93,3% unserer Oberflächengewässer gibt es leider immer noch erhebliche Defizite und Probleme. Allein in RLP gibt es bei mindestens 70% aller Fließgewässer noch erheblichen Handlungsbedarf, um einen guten ökologischen Zustand zu erreichen. Siehe PDF WRRL – Rheinland-Pfalz auf dem Weg. Zusätzlich fordert das BfN alternative Naturschutzkonzepte zu entwickeln und in den §§ 20, 21 des (BNatSchG) den länderübergreifenden Biotopverbund.

Artenschutz-Report, BfN, Tiere & Pflanzen in Deutschland

Calopteryx splendens, Gebänderte Prachtlibelle am 2.7.2018 in Sevenich. Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 3 (RLP) / (BRD), BNatSchG §7EG-VO 338/97: wildlebend besonders geschützt, Foto: Gavin Grosvenor

Das Bundesamt für Naturschutz BfN schreibt in seinem Artenschutz-Report von 2015: "Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend. Ein Drittel der bei uns in Deutschland vorkommenden Arten steht auf der Roten Liste und hat damit in seinem Bestand als gefährdet zu gelten. Arten stehen dabei immer auch für Lebensräume, Ökosysteme und Beziehungsgefüge. Ihr Zustand spiegelt zugleich den Zustand unserer Landschaften wieder. Der Zustand der Artenvielfalt macht deutlich, dass das nationale Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, bisher verfehlt worden ist. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf. 

• Um gezielt die Bestände von in ihrem Bestand besonders gefährdeten Arten sowie von Arten, für die Deutschland eine besondere Verantwortlichkeit hat, zu schützen und zu erhalten, sind der Ausbau und die Ergänzung bestehender Artenschutzprogramme erforderlich.

• Ein gut vernetztes System von Schutzgebieten ist wesentlich, um in der intensiv genutzten Kulturlandschaft hinreichend Rückzugsmöglichkeiten für Arten mit besonders spezialisierten Lebensraumansprüchen zu bieten. Das bestehende Schutzgebietssystem ist auf Lücken zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Wichtig ist zudem ein effektives Management, damit Schutzgebiete ihre Wirksamkeit entfalten können. Dieses umfasst neben gebietsspezifischen Managementplänen eine ausreichende Ausstattung mit Ressourcen (Personal, Finanzen).

• Effektiver Artenschutz profitiert am besten vom Schutz der betreffenden Lebensräume und einer in der Fläche nachhaltigen und naturverträglichen Nutzung. Für landwirtschaftlich genutzte Flächen ist eine gestärkte ökologische Komponente der europäischen Agrarförderung (GAP) vorzusehen. Dazu gehören beispielsweise ein bundesweites vollständiges Grünlandumbruchsverbot sowie eine sinnvolle Ausgestaltung der ökologischen Vorrangflächen innerhalb der GAP. Um den Schutz der Arten in der Agrarlandschaft zu optimieren, sind die Vertragsnaturschutzmaßnahmen besser finanziell auszustatten, noch zielgerichteter zu konzipieren und die vorhandenen Mittel vermehrt in wirksame Maßnahmen zu investieren.

•  Das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder ist unabdingbar, um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Der Anteil nutzungsfreier Wälder ist weiter zu erhöhen, um das in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgelegte Ziel von einem Anteil von 5 % an der Waldfläche zu erreichen. Darüber hinaus sollte die Artenvielfalt in den Wäldern durch eine naturverträgliche Nutzung mit entsprechendem Strukturreichtum und eine natürliche Baumartenauswahl gefördert werden. Naturschutzleistungen im Wald sind dazu angemessen zu honorieren.

• Die Vernetzung von Lebensräumen ist wichtig, u. a. um Ausbreitung und Genaustausch von Individuen zu befördern und zugleich die Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern. Um die Vernetzung der Lebensräume zu verbessern, sind ausreichend naturnahe Landschafts- elemente vorzusehen und der gesetzlich geforderte bundesweite Biotopverbund auf 10 % der Fläche eines jeden Bundeslandes einzurichten. Das BNatSchG (§§ 20, 21) adressiert bei der Umsetzung des Biotopverbundes im besonderen Maße die Bundesländer.

• Die Flüsse sind wieder durchgängig zu gestalten und mit ihren Auen zu verbinden. Die Fläche durchströmter Auen ist bundesweit zu vergrößern. Damit können sie gleichermaßen ihre Funktion als Lebensraum zahlreicher Arten wahrnehmen und wertvolle Ökosystemleistungen erbringen. Bei der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen ist auf bestmögliche Synergien zwischen Belangen des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes zu achten.

• Für die marinen Schutzgebiete in der Ausschließlichen Wirtschaftszone sind die Voraussetzungen zu schaffen, dass diese tatsächlich Rückzugsgebiete und Ruheräume für gefährdete Arten darstellen. Dazu ist insbesondere eine ökosystemverträgliche, nachhaltige Fischerei notwendig. 

• Um noch zielgerichteter Schutzmaßnahmen für die Arten durchführen zu können, ist es erforderlich, bessere Datengrundlagen über die Gefährdungssituation bzw. den Erhaltungszustand der Schutzgüter zu schaffen, fortzuführen und weiterzuentwickeln. Die in diesem Zusammenhang unersetzlichen Leistungen des Ehrenamtes sind höher wertzuschätzen und professionell zu begleiten."

Weitere Infos: Artenschutz-Report, Tiere & Pflanzen in Deutschland

Rettungsnetz für die Europäische Wildkatze

1.3.2018  
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist eine heimliche Bewohnerin unserer Wälder. Sie steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten 4 (RLP) und ist nach BNatSchG §7EG-VO 338/97 streng geschützt! Sie meidet die Nähe zu uns Menschen, ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und äußerst scheu. Der Nachweis der Wildkatze ist daher ausgesprochen schwierig. 

"Wir haben auch in Andernach die Wildkatze nachweisen können. Leider bisher nur als Opfer des Straßenverkehrs", so Norbert Dümpelfeld, zweiter Vorsitzender des BUND Mayen-Koblenz. Mit sogenannten "Lockstöcken" kann das Vorhandensein der Wildkatzen bestimmt werden. Wegen der Erweiterung eines Basaltabbaugebiet in Nickenich 5 hat die Kreigruppe MYK gemeinsam mit der abbauenden Firma ein Wildkatzenmonitoring im Winter 2014/2015 begonnen, um nachzuweisen, wie die im Laacher Seegebiet lebenden Wildkatzen sich durch Wanderungen verändern. "Mit den Ergebnissen unserer Untersuchungen zum Wildkatzen-Vorkommen möchten wir dazu beitragen, diese stark bedrohte Tierart in unserer Region zu erhalten".

Noch vor 150 Jahren waren Wildkatzen in den Wäldern Deutschlands weit verbreitet. Seitdem haben die Bestände kontinuierlich abgenommen. Durch die immer stärker voranschreitende Zersiedlung der Landschaft oder den Bau neuer Verkehrswege leben Wildkatzen heute zurückgezogen in teilweise stark voneinander isolierten Vorkommen. Die Tiere können ihre Waldinseln kaum noch ungefährdet verlassen. Ohne Wanderungen in neue Reviere und einen genetischen Austausch ist das Überleben der letzten echten "Waldkatzen" aber langfristig gefährdet. Um einen Austausch der Populationen zu fördern und damit das Leben von Wildkatzen und anderen Wildtieren zu ermöglichen plant der BUND einen Wildtierkorridor. Der Korridor soll aus einem Netz von Wild-Wanderwegen bestehen und durch ganz Deutschland verlaufen. Bestehende Wälder und zu schaffende Korridore sollen ein Rettungs-Netzwerk von über 20 000 Kilometern Länge bilden. Die aktuellen und vergangenen Projekte finden Sie auf der Wildkatzenschutz-Seite

Nachwuchs gesichtet: Wildkätzchen im Wald lassen!

Junge Wildkatzen, Felis silvestris, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 4 (RLP) 3 DE, BNatSchG §7EG-VO 338/97: streng geschützt, FFH Richtlinie Anh. IV.; Foto: Thomas Stephan

24.4.2018
In den kommenden Monaten wird es in den Wäldern in Rheinland-Pfalz vermehrt zur Sichtung junger Wildkatzen kommen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. fordert Spaziergänger und Wanderer auf, die Jungtiere nicht anzufassen oder gar mitzunehmen, auch wenn sie scheinbar allein und scheinbar mutterlos angetroffen werden. Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2018.

„Immer wieder lesen besorgte Tierfreunde in dieser Jahreszeit  junge Wildkätzchen auf, bringen sie zu Tierärzten oder Schutzstationen oder behalten sie einfach zu Hause. Davon raten wir dringend ab. Das Muttertier ist in der Regel nicht weit weg, gerade kurz auf Mäusejagd oder versteckt sich in unmittelbarer Nähe“, erläutert Charlotte Reutter, Projektleiterin beim BUND. Zudem sei das Immunsystem der Wildkatze und insbesondere der Jungtiere nicht gegen Infektionen mit Hauskatzenkrankheiten gewappnet. Reutter rät: „Die Jungtiere sollten wenn überhaupt nur kurz aus größerer Entfernung beobachtet werden. Die Haltung der streng geschützten Wildkatzen in Privathaushalten ist darüber hinaus verboten. Die Tiere landen dann bestenfalls in Schutzstationen. Auswilderungen - wieder zurück in die freie Natur - klappen leider nicht immer. Daher gilt: Bitte nicht anfassen oder stören. Wenn Spaziergänger aber Zweifel haben, können sie private Wildtierauffangstationen wie Tierart e.V. in Maßweiler oder die Wildtierhilfe Kaiserslautern kontaktieren, und die Stelle, an der die Kätzchen gesichtet wurden, mitteilen. Auch der BUND kann bei der Vermittlung behilflich sein.“

Häufig werden die grau-getigerten Wildkätzchen für Nachwuchs verwilderter Hauskatzen gehalten. „Insbesondere junge Wildkatzen sehen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich“, erläutert Reutter. „Wenn sie älter werden, verblasst die Fellzeichnung und sie sind durch ihren kräftigen Körperbau und den buschigen Schwanz mit stumpfer, schwarzer Spitze als Wildkatze besser zu erkennen.“

Für die Aufzucht ihres Nachwuchses benötigen Wildkatzen Baumhöhlen, Totholz, umgeworfene Wurzelteller und dichtes Gestrüpp als Versteck für ihre Jungen. Sturmtief Friederike hatte Mitte Januar unzählige Bäume entwurzelt und damit vielerorts ideale natürliche Wurf- und Ruheplätze für die Wildkatze geschaffen. Fehlen diese, nutzen Wildkatzenmütter immer wieder auch Holzstapel, sogenannte Holzpolter. „Wenn Holzpolter oder vom Sturm geschaffene Verstecke in der Aufzuchtzeit der Wildkätzchen abgeräumt werden, können junge Wildkatzen leicht umkommen“, erläutert Reutter. „Wir fordern deswegen Förster und Waldbesitzer auf, die Chance für strukturreichere Wälder zu nutzen und den Windwurf der Winterstürme wo immer möglich in den Wäldern zu belassen. Viele wissen dies und handeln bereits vorbildlich. Bei der regulären Holzernte sollten die Polter am besten erst im September beräumt oder das gewonnene Holz sofort und ohne Zwischenlagerung im Wald abtransportiert werden, um das Risiko für die Wildkatze zu verringern.“

Erfreut zeigte sich die BUND Wildtierexpertin über die gestiegene Anzahl von Wildkatzen, war die scheue Wildkatze doch einst fast ausgerottet. „Die größte Bedrohung für die  Wildkatze ist und bleibt die Zerschneidung und Verarmung ihres Lebensraums durch Ackerflächen, Straßen und Siedlungen", führt Reutter weiter aus. Damit die isolierten Populationen und viele andere gefährdete Tiere eine Überlebenschance haben, ist ein Netzwerk aus miteinander verbundenen Wäldern notwendig.

Wildkatzen droht besonders im Herbst der Tod an der Straße

Tote Wildkatzen, Felis silvestris, Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten 4 (RLP) 3 DE, BNatSchG §7EG-VO 338/97: streng geschützt, FFH Richtlinie Anh. IV.; Foto: Reinhard Schwarz 22.10.2018 im Maifeld

29.10.2018 
Junge europäische Wildkatzen verlassen in diesen Wochen den Ort ihrer Geburt, um sich eigene Reviere zu suchen. Die weiteste dokumentierte Wanderung eines Wildkatzenkaters war 30 Kilometer. Dabei begeben sich jungen Katzen im Alter von circa einem halben Jahr oftmals auf eine gefährliche Wanderschaft, denn vielerorts wird ihr Lebensraum von vielbefahrenen Verkehrswegen durchschnitten. Vielen jungen Wildkatzen droht so der Tod an der Straße.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz bittet Autofahrer gegenwärtig um besondere Achtsamkeit im Straßenverkehr, insbesondere in waldreichen Gegenden. „Der Straßentod gilt als die häufigste, unnatürliche Todesursache bei ausgewachsenen Wildkatzen“, so Charlotte Reutter, Projektleiterin des BUND Landesverband Rheinland-Pfalz. „Für den Erhalt der Wildkatzenbestände in Deutschland stellen Verkehrsunfälle eine ernste, dauerhafte Bedrohung dar. Mit der Zeitumstellung verlagert sich zudem nun noch mehr Verkehr in die dunklen Tagesstunden, sodass sich das Risiko für die dämmerungs- und nachtaktiven Wildtiere nochmals erhöht.“ Zahlen zu Wildunfällen mit Wildkatzen in Deutschland gibt es leider nur punktuell, denn nicht alle Bundesländer erfassen die Fälle systematisch. Dem BUND Rheinland-Pfalz wurden seit Januar 2018 rund 90 tote Wildkatzen gemeldet. In Hessen wurden von 2009-2013 durchschnittlich 35 tote Wildkatzen jährlich an Straßen gefunden, mit steigender Tendenz. Niedersachsen meldete im Zeitraum von 2010 bis 2014 insgesamt 111 tote Tiere. Dabei ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist und viele überfahrene Wildkatzen unentdeckt bleiben. Um die Datenlage über die Todesursachen von Wildkatzen zu verbessern, führt der BUND in Rheinland-Pfalz ein Projekt zur Etablierung eines landesweiten, standardisierten Totfundmonitorings für Wildkatzen durch. Gefördert wird dieses Vorhaben durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Umwelt. Das zentrale Register soll dabei helfen, Unfallschwerpunkte zu identifizieren und zu entschärfen. Jede verunglückte Wildkatze stellt einen Verlust für die geschützte Art dar. Wildkatzenexpertin Reutter rät Autofahrern deshalb, besonders in waldreichen Gegenden und in der Dämmerungszeit auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen und allgemeine Wildwechsel-Verkehrsschilder zu achten. „Behalten Sie den Straßenrand rechts und links im Auge. Blenden Sie nicht das Fernlicht auf, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen Sie, damit das Tier flüchten kann.“ Wichtig dabei: Immer die eigene Sicherheit beachten.

Die Wildkatze hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter ausgebreitet, etwa 7000 bis 10 000 Tiere durchstreifen unsere Wälder. Sie ist in weiten Teilen Mittel-, Südwest- und Süddeutschlands wieder heimisch, doch auch in Sachsen und dem nördlichen Niedersachsen gibt es nach langer Abwesenheit wieder erste gesicherte Wildkatzen. Der BUND setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Wildkatze ein, unter anderem indem er die Lebensräume wieder miteinander vernetzt. Mit Unterstützung von Freiwilligen pflanzt der BUND in ganz Deutschland sogenannte „grüne Korridore“ aus Bäumen und Büschen zwischen naturnahen Wäldern. Diese Wanderkorridore bieten den Wildkatzen Schutz und Deckung bei der Eroberung neuer Lebensräume bieten. Aus Sicht des BUND müssen Politik und Behörden jedoch noch viel stärker als bisher handeln: „Wir brauchen an unseren Straßen viel mehr Grünbrücken und andere Querungsmöglichkeiten – für die Wildkatze und auch für andere Tiere. Zudem gehört unser Straßennetz zu den dichtesten der Welt. Die letzten unzerschnittenen Lebensräume müssen bewahrt werden und dürfen nicht dem Straßenbau geopfert werden“, so Reutter. Weitere Informationen unter: www.wildkatze-rlp.de & www.bund.net/wildkatzeAudio: O-Ton mit der BUND-Wildkatzenexpertin Friederike Scholz: www.bund.net/wildkatzen-interviewFür Rückfragen: Charlotte Reutter, Projektleiterin Totfundmonitoring Wildkatze Rheinland-Pfalz, Tel.: 06131/62706-23, charlotte.reutter(at)bund-rlp.de Friederike Scholz, BUND-Wildtierexpertin, Tel.: 030/27586-566, friederike.scholz(at)bund.net Sigrid Wolff, BUND-Pressesprecherin, Tel.: 030-27586-425, presse(at)bund.net

Landesweites Wildkatzenmonitoring

24.4.2018
Der BUND wird von 2018 bis 2019 im Auftrag des Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (MUEEF) und unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Umwelt (LfU), anerkannten Wildkatzenexperten und einem Netz aus Ehrenamtlichen ein landesweites Totfundmonitoring für die Wildkatze durchführen und erproben. Nach Ende der Projektlaufzeit soll es dauerhaft und mit reduziertem Aufwand betrieben werden können. Neben den bisher vorhandenen Informationen zum Vorkommen der Wildkatze sollen dadurch weitere wichtige Informationen zur Verbreitung und vor allem über die Gefährdungsursachen der Wildkatzen gewonnen und Artenschutzmaßnahmen entwickelt werden. Die Bevölkerung wird gebeten, tote Wildkatzen unter wildkatzenfund(at)bund-rlp.de zu melden.  

Von März - April sind Frosch, Kröten & Feuersalamander Wanderungen

Grasfrosch, Rana temporaria auf Wanderung zum Laichplatz überfahren, Sevenich 12.3.2018, Foto: Gavin Grosvenor. Schutzstatus: Rote Liste gefährdeter Arten V (RLP), BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt, FFH Richtlinie Anh. V.; Feuersalamander, Salamandra salamandra terrestris, Schutzstatus: BNatSchG §7EG-VO 338/97: besonders geschützt! Ebenfalls auf Wanderung überfahren.

12.3.2018  
Achtung Autofahrer! Diese empfindlichen kleinen Lebewesen benötigen unseren Schutz. Jedes Jahr sind ab März / April viele Frösche, Kröten, Feuersalamander und andere Amphibien unterwegs um sich zu vermehren. Sie wollen instinktiv genau dorthin zurückkehren wo sie selber geschlüpft sind. Wenn sie auf ihrem Weg zum Laichplatz eine Strasse überqueren müssen, dann kann das lebensgefährliche Folgen für sie haben. Viele Frösche, Kröten und Lurche sind ganz treue Rückkehrer zu ihrem eigenen Geburtsort. Dabei sind sie leider viel zu langsam um Fahrzeugen aller Art  ausweichen zu können. Viele wandern bevorzugt in der Dunkelheit. In der Nacht oder in der Dämmerung bleiben sie vom Scheinwerferlicht geblendet sogar starr vor Angst sitzen und werden dabei noch leichter überfahren. Diese Tiere benötigen deshalb unsere volle Aufmerksamkeit. Deshalb unsere dringende Bitte: Sei in der Nähe von Bachläufen, Tümpeln, Teichen, Sumpfgebieten oder Feuchtwiesen ganz aufmerksam um, vor allem in der Wanderzeit, tötliche Kollisionen zu vermeiden. Auch das ist wichtiger Artenschutz!   

Aktuelle Meldungen erreichen uns von überfahrenen Amphibien in: Rieden am Waldsee (Kröten), Kobern-Gondorf (Salamander & Bergmolche) und Sevenich (Grasfrösche & Kröten)

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